Der Film Was haben wir gelacht, der auf dem Münchner Filmfest zu sehen war und jetzt in die Kinos kommt, ist absolut sehenswert. Der Dokumentarfilm beschreibt die Fernsehlandschaft in den achtziger, neunziger Jahren in ihrer ganzen Frauenfeindlichkeit. Und das Ganze haben wir noch nicht einmal gemerkt, weil es uns so normal vorkam. Frauen waren Fummeleien und dummen Sprüchen rund um die Uhr ausgesetzt.
In diesem Film kommen Esther Schweins, Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger und Gaby Köster zu Wort. Sie alle können zahlreiche Erlebnisse schildern, wie sie übergriffig behandelt wurden. Es war einem gar nicht mehr klar, die unwitzig auch Harald Schmidt war und wie er Bettina Böttinger beleidigt hat. Die Witze in der Fernsehlandschaft gingen sehr oft auf Kosten von Frauen.
Bei Was haben wir gelacht blickt man nun aus der Frauenperspektive auf diese Fernseherausschnitte. Die Protagonistin des Films sehen sich noch einmal in die damalige Zeit zurück katapultiert und fühlen jetzt noch, wie es Ihnen damals ergangen ist, als sie nur Beiwerk oder Assistenten in den diversen Formaten waren. Neben Größen wie Joachim Kuhlenkamp, Hans Rosenthal oder Wim Tölke hatte natürlich eine Assistentin zu stehen, die hübsch anzusehen war, aber auch nicht den Mund aufmachen durfte und so manchen Seitenhieb einstecken musste. Da sieht man einmal, wie feige Männer sind.
Zahlreiche Fernseherausschnitte werden gezeigt, in denen Harald Schmidt, Thomas Gottschalk, Stefan Raab und weitere damals angesehene Fernsehmoderatoren, Frauen außergewöhnlich dämlich vorführten und dafür auch noch Einschaltquote hatten. Dieser Film von Isabel Schneider und Eva Müller war längst überfällig. Es wurden zahlreiche Ausschnitte bekannter Fernsehshows aus den Archiven geholt.
Das Gebaren und die platten Witze hat man in der deutschen Unterhaltungsindustrie einfach hingenommen und sogar darauf aufgebaut. Man ließ Frauen einfach nicht hochkommen, hat sie verlacht und schlecht gemacht. Hier wird gezeigt, wie schwer es Hella von Sinnen hatte, im Kölner Karneval Fuß zu fassen. Noch heute ist dies eine Männerdomäne, bei der man die Jungfrau im Kölner Dreigestirn immer noch durch einen Mann verkörpern lässt. Die Fernsehausschnitte von damals sind einfach wunderbar. Man mag es gar nicht glauben, wie es damals zuging. Das ist einfach sehenswert und man möchte noch weiter in die TV Archive eintauchen. (Isabel Oerke)
Originaltitel
Was haben wir gelacht (Deutschland 2026)
Länge
103 Minuten
Genre
Dokumentation
Regie
Eva Müller und Isabel Schneider
Drehbuch
Eva Müller und Isabel Schneider
Kamera / Bildgestaltung
Thomas Lütz
Darsteller
Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Bettina Böttinger, Gaby Köster
Verleih
Port au Prince Pictures GmbH