Linie S 1 führt ins St. Pauli Theater, Hamburg

Linie S 1 St. Pauli Theater (c) Frank Siemers

Linie S1 St. Pauli Theater (c) Frank Siemers

Freitagabend erwischten wir glücklicherweise noch die Linie S 1. Sie hielt an der Hamburger Haltestelle Reeperbahn und dann fanden wir uns schon im St. Pauli Theater wieder. Hier spielte dann das Hamburg Musical Linie S 1. 15 Darsteller sangen, spielten und trafen sich hierbei in der Linie S 1. Die Fahrt ging quer durch Hamburg. Auf einer Videoleinwand im Hintergrund der Bühne sah man Hamburgszenen und besonders den Blick aus der fahrenden Bahn. In der Bahn treffen der Barmbeker Jung Miguel und die Deern Luna aufeinander. Er hat spanische Wurzeln und sie ist Tochter aus gutem Blankeneser Hause. Es wird eine unvergessliche Begegnung, worüber Miguel sogar seinen Job vergisst und schließlich verliert. Er hat nur noch Luna im Kopf und die Suche nach ihr beginnt. Hierbei trifft er in der S 1 und am Bahnhof auf skurrile Typen. Schnorrende Punker, Drogendealer, Geschäftsleute, Touristen und sogar zwei Berliner Jungs, die Hamburg mit Berlin vergleichen. Diese seufzen oft, „Ach wären wir doch in Wilmersdorf geblieben“. Spätestens hier merkt man die Anlehnung an das Berliner Stück Linie 1 von 1986. Ich erinnere mich noch gut an die Wilmersdorfer Witwen. Auch in der Hamburger Linie trifft man auf Ladies, die sich von ihren reichen Kerlen versorgen lassen und schon die Scheidung planen. Es gibt also Parallelen zu der Berliner S Bahn Linie.
In Hamburg greift sogar ein Kölner zu Quetschkommode, um Hans Albers zu singen und ich dachte schon, wenn jetzt „Heidewitzka Herr Kapitän“ ertönt, wäre das auch gelungen.

Linie S 1 St. Pauli Theater (c) Frank Siemers

Linie S1 St. Pauli Theater (c) Frank Siemers

Doch die Musik vom blonden Hans darf nicht fehlen. Die Musikauswahl an sich konnte sich hören lassen. Partyschwärmer tanzen zu Scooters Mariasong Döööp Dööp Dööp und das durch Tim Fischer bekannte Stück Rinnsteinprinzessin, Text: Edith Jeske unterstreicht wunderbar das hier gespielte Rotlichtmilieu. Songs von Hamburger Musikern – von Hans Albers über Udo Lindenberg, Jan Delay, Marius Müller-Westernhagen bis zu den Lassie Singers– und solchen, die über Hamburg gesungen haben, wie Tim Fischer oder Hildegard Knef sind im Originaltext gesungen, hier wäre eine lustige Umdichtung ab und an auch noch schön gewesen. Die Friedhofsszene, als Luna sich auf dem Friedhof von ihre verstorbenen Oma verabschiedet, die dann wiederum mit einer Gruppe Gothics Hamburg 75 von Gottfried & Lonzo singt, gefällt mir sehr gut.

Linie S 1 (c) Ulf Harten

Linie 1 (c) Ulf Harten

Da Hamburg neben Berlin sicher die am meisten und schönsten besungene Stadt in Deutschland ist, kann man die Liedauswahl hier begrüßen und fährt gutgelaunt zur nächsten Station. Luna, die eigentlich nach New York reisen will bleibt in Hamburg. Sie bleibt wegen Miguel und natürlich wegen der schönsten Stadt der Welt. Die beiden müssen sich nur noch wiederfinden, doch zuerst treiben sie durch die Stadt. Miguel plant anzuheuern. Doch glücklicherweise ist das nicht so einfach.
Die Hoffnung auf ein Wiedersehen fast schon aufgegeben, bringt die Stadt sie wieder zusammen und am Ende finden sie sich im Morgenlicht an den Landungsbrücken wieder. Linie S 1 ist nichts wirklich Neues. Man kann es als Mischung zwischen Heiße Ecke und eben Linie 1 aus Berlin bezeichnen. Und da Hamburg Themen für mich immer gehen, fühlte ich mich gut unterhalten.

Text: Isabel Oerke
Fotos: Frank Siemers