Memoiren einer Schnecke – Messithematik animiert im Kino

„Memoiren einer Schnecke“ ist ein tief berührender Stop-Motion-Film von Adam Elliot. Er erzählt die Geschichte von Grace Pudel, einer Frau, die nach dem Tod der Mutter mit ihrem Zwillingsbruder Gilbert bei ihrem Rollstuhl fahrenden, alkoholkranken Vater aufwächst. Doch zu allem Unglück stirbt auch dieser und beide Kinder kommen in unterschiedliche Pflegefamilien. Bruder Gilbert ist weit weg bei einer tiefreligiösen, fast sektenmäßigen Familie. Grace hat es etwas besser getroffen, doch sie zieht sich immer mehr in sich zurück Die düstere Farbpalette und die liebevoll gestalteten Figuren des Films unterstreichen die melancholische Stimmung. Trotz der Tragik vermittelt der Film eine starke Botschaft über Selbstliebe und Hoffnung. Es entwickelt sich die Einsamkeit. Grace wird immer trauriger, immer dicker, immer messimäßiger und stielt schließlich sogar. Sie sammelt, vor allem Schnecken und alles was mit Schnecken zu tun hat. Auch ihre haltgebenden Meerschweinchen vermehren sich unkontrolliert. Ihre Wohnung wird immer unordentlicher, ein Spiegel ihrer Einsamkeit und Verzweiflung. Grace wird zudem von einem falschen Freund enttäuscht, der einen Fettfetisch hat und sie nur fett füttern will. Er meint es auch nicht ehrlich mit ihr, was ihre Isolation noch verstärkt.

Die einzige echte Freundin ist eine ältere, extentrische Dame, namens Pinky. Leider erkrankt diese an Demenz. Der Animationsfilm ist zugleich schmerzhaft und hoffnungsvoll und zweigt was Messitum ausmacht. Fraundin Pinky hinterlässt Grace die Botschaft, dass sie alles hinter sich lassen soll. Sie soll ihren ganzen Kram wegschmeißen und loslassen. Das ist etwas unrealistisch, weil sie ja keine Perspektive hat. Doch zum Schluß gibt es für Grace wieder Perspektive, da der Bruder, so viel sei verraten, zurückkommt. Sie hat also wieder einen Menschen in ihrem Leben. Aber für alle, die keine Menschen mehr in ihrem Leben haben, würde das nichts verändern, würde man einmal aufräumen. Es ist aber wirklich etwas Besonderes, dass dieser Film als Animationsfilm so ein Thema gelungen rüberbringt. Insgesamt ist „Memoiren einer Schnecke“ ein stiller, herzzerreißender Film, der die Lebensrealität vieler Menschen widerspiegelt, die mit Trauer, Verlust und Messie-Verhalten zu kämpfen haben. Und die Stimme von Nick Cave ist auch noch zu hören. (i.s.o.)
Originaltitel
Memoirs of a Snail (Australien 2024)
Länge
95 Minuten
Genre
Animation / Drama
Regie
Adam Elliot
Drehbuch
Adam Elliot
Kamera / Bildgestaltung
Gerald Thompson
Original-Stimmen
Sarah Snook, Jacki Weaver, Kodi Smit-Mcphee, Magda Szubanski, Bernie Clifford, Tony Armstrong, Eric Bana, Paul Capsis, Dominique Pinon, Nick Cave
Deutsche Stimmen
Luisa Wietzorek, Luise Lunow, Konrad Bösherz, Anna Dramski, Gerald Schaale, Francois Smesny, Harald Effenberg, Stefan Kaiser, Carmen Katt
Verleih
Capelight Pictures